Gedichte

Ankommendes Sterben: Das möchte ich Dir erzählen, Du, lebendig vor meinem Grab:

Der Tod hat mich heute ergriffen

Der Tod hat mich heute ergriffen

Wie wenn ein Kranker gesund wird.

Wie wenn ich nach langer Krankheit wieder ausgehe.

Der Tod hat mich heute ergriffen

Wie Myrrhenduft

Wie wenn ich unter dem Segel sitze an windigen Tagen.

Der Tod hat mich heute ergriffen

Wie Lotosduft

Wie wenn ich am Ufer der Trunkenheit sitze.

Der Tod hat mich heute ergriffen

Wie das Aufhören des Regens

Wie wenn ich von einer Expedition nach Hause zurückkehre.

Der Tod hat mich heute ergriffen

Wie wenn sich die Wolken auflösen

Wie wenn ich hindurchgeleitet werde

Zu dem was ich nicht kenne.

Der Tod hat mich heute ergriffen

Wie wenn ich mich sehne mein Haus wieder zu sehen

Nach den vielen in Gefangenschaft verbrachten Jahren.

Mein Ankommen ist leicht und schön.

Weitere Gedichte...

Wir alle fallen

Wir alle fallen .Diese Hand da fällt. Und sieh Dir andere an?

Es ist doch in allen. Und doch ist Einer,

der dieses Fallen unendlich sanft in seinen Händen hält.

Rainer Maria Rilke

Requiem:

Abgesang Fährfrau mit dem runden Hut Hast du ihn / sie gesehen? Ja, sagt die Fährfrau Hirte mit dem toten Lamm Hast du ihn / sie gesehen? Ja, sagt der Hirte Bergmann mit dem weißen Licht Hast du ihn / sie gesehen? Ja, sagt der Bergmann. Welchen Weges ging er / sie, Fährfrau? Über Wasser trockenen Fußes. Welchen Weges ging er / sie, Hirte? Berghinüber leichten Atems. Welchen Weges ging er / sie, Bergmann? In der Erde lag er still. Was stand auf seinem / ihrem Gesicht geschrieben? Frieden, sagten alle, Frieden.

Marie Luise Kaschnitz

Betroffenheit

wer sich noch betroffen fühlt nimmt noch teil am leben wen nichts mehr trifft der ist tot willst Du leben dann laß Dich treffen aber nicht nur von leid und trauer laß Dich vor allem treffen durch die liebe / das leben / die freunde / das lächeln und den brief von einem freund nur Deine fröhlichkeit und Dein mut ändern diese welt und machen sie zum paradies und dies nicht irgendwann sondern heute

Unbekannter Autor-

Nichts Wirkliches kann bedroht werden Nichts Unwirkliches existiert Hierin liegt der Frieden Gottes

Aus : ein Kurs in Wundern

Ich bin hier, mein Kind.

Ich bin hier, mein Kind, Du aber – wohin lenkst du Deine Blicke? Zum Himmel? Hinter den Horizont? In die Tiefe der Erde? Stürzt Du Dich in die Abgründe der menschlichen Haut? Von Stern zu Stern bist Du gewandert, jeden Stein hast Du von der Stelle gerückt, in jede Höhle geblickt. Es ist an der Zeit. Müde wurdest Du von all Deinen Leben und Du senktest Dich in Dich hinab wie in ein Balsambad. Begreife, daß Du mich gesucht hast, wie der Blick das Auge sucht, aus dem er blickt. Senke die Lider und sieh mich mit Augen ohne Blick. Ausschließlich durch Dich schau ich, Ihn zu sehen. Denn das bin Ich, einen anderen gibt es nicht. Ich bin es, der spricht, Ich der ruft, Ich bin es, der mir Botschaften schreibt. Das bin ich, und einen anderen gibt es nicht.

Aus: Klang der Seele – zweimal 108 Botschaften aus der Quelle des Seins

Dankbarkeit

Es gibt nichts, was und die Abwesenheit eines lieben Menschen ersetzen kann und man soll das auch gar nicht versuchen. Man muß es einfach aushalten und durchhalten. Das klingt zunächst sehr hart, aber es ist doch zugleich auch ein großer Trost, denn indem die Lücke wirklich unausgefüllt bleibt, bleibt man durch sie miteinander verbunden. Je schöner und voller die Erinnerung, desto schwerer die Trennung. Aber die Dankbarkeit verwandelt die Qual der Erinnerung in Freude.

Dietrich Bonhoeffer, 1943

“BEDENKT: DEN EIGNEN TOD, DEN STIRBT MAN NUR, DOCH MIT DEM TOD DER ANDEREN MUSS MAN LEBEN.”

Mascha Kaléko

Jedes Leben

Jedes Leben ist in der Tat ein Geschenk,

egal wie kurz, egal wie zerbrechlich.

Jedes Leben ist ein Geschenk,

welches für immer in unseren Herzen und

ganz gewiss in der Liebe Gottes weiterleben wird.

Unbekannter Autor

Aus einem Papyrus des alten Ägypten im Jahre 2003 v. Chr.